Wie schaust du dich heute an?
Wenn du heute morgen vor dem Spiegel standst – oder vorhin – wie hast du dich angeschaut? Hast du wirklich hingeschaut? Oder hast du dir nur im Vorbeigehen kurz die Zähne geputzt, deine Haare zu nem Mama-Dutt hochgedreht, einen Blick in dein Gesicht geworfen und bist dabei innerlich schon die Liste für den Tag durchgegangen?
Was du da gesehen hast, dich, im Spiegel… Wie war der Blick? War er freundlicher und zugewand, liebevoller, vielleicht mit einem Lächeln, oder war es so ein Blick, wie man ihn auf das Gesicht einer Fremden wirft, die einem im Bus gegenuebersitzt? Flüchtig, vielleicht prüfend, schnell und ohne Wärme.
Ich frage dich das nicht, um dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich frage dich, weil ich glaube, dass dir die Antwort auf diese Frage sehr viel über dich erzählt. Ich glaube, dass dort, in dem Moment vor dem Spiegel, ein Bild von dir entsteht, das dich den Rest deines Tages tragen wird. Und weil ich weiss, wie es ist, wenn dieses Bild seit Monaten oder Jahren keine Liebe mehr enthalten hat.
"Wie du dich am Morgen anschaust, ist die erste Botschaft, die du dir an diesem Tag schickst. Und sie wird zur Hintergrundmusik für alles, was an diesem Tag folgt."
Lass mich dir gleich am Anfang dieses Blogartikels etwas sagen, weil ich bei dem Thema selbst lange auf dem falschen Pfad unterwegs war: Selbstliebe ist nicht das Bad mit Kerzen. Selbstliebe ist nicht das Solo-Wochenende im Wellnesshotel. Selbstliebe ist nicht der Massage-Termin alle drei Monate, den du dir endlich „goennst“, und auf den du dich danach nicht mehr stützen kannst, weil das Leben ja weitergeht und schneller wieder im Griff hat, als dass du bis 3 zählen kannst.
Das alles kann liebevoll sein, klar. Versteh mich hier bitte nicht falsch. Aber es ist nicht der Kern. Wenn du nur diese Art von „Selbstliebe“ hast, ist Selbstliebe wie ein Sonnenstrahl auf einer Pflanze, die in einem Topf ohne Erde steht. Es schadet nichts – aber es trägt dich nicht dauerhaft.
Selbstliebe als Mama ist viel kleiner und gleichzeitig viel größer. Sie liegt nicht in den seltenen Highlight-Momenten. Sie liegt in der Art, wie du jeden Tag mit dir umgehst, wie und was du isst, wie du atmest, wie du mit dir sprichst, wenn keiner zuhört. Wie du dir Pausen erlaubst oder eben nicht. Wie du mit deinem Körper redest, wenn er dir Signale schickt. Wie du mit dir umgehst, wenn du wieder einmal das Gefühl hast, nicht genug gewesen zu sein.
Das ist Selbstliebe. Im Alltag, im Detail, in der unsichtbaren Schicht zwischen dem, was du tust, und der Art, wie du es tust.
Und genau dort ist sie bei vielen Mamas verloren gegangen, ohne dass es jemand gemerkt hat. Du stellst dich selbst immer wieder an die letzte Stelle.
Niemand bringt es einer Mama bewusst bei, sich selbst zu vergessen. Es passiert einfach still und leise. Es fängt damit an, dass du in den ersten Wochen mit Baby kaum Zeit hast, etwas zu essen, also isst du im Stehen oder Vorbeigehen, das, was eben da ist. Es geht damit weiter, dass du nicht mehr darauf achtest, ob du eigentlich Hunger oder Durst oder Müdigkeit spürst, weil du das Signal sowieso nicht beantworten könntest – also schaltest du es ab. Du wirst gut darin, auf andere zu hören und schlecht darin, auf dich zu hoeren. Denn, sind wir mal ehrlich, spätestens mit der Geburt deines wundervollen Babys haben super viele Menschen direkt Ratschläge und Meinungen parat. Ob du danach gefragt hast oder nicht.
Später geht es weiter mit den Spiegeln in deinem Zuhause weiter. Früher bist du davor stehen geblieben und hast dir einen liebevollen Blick geschenkt. Nun läufst du müde an ihnen vorbei. Dann noch deine Kleidung, die du nun nach deinem Alltag wählst statt für dich. Mit dem Essen, das funktional, schnell, und Mama-Alltag-gerecht ist, aber nicht das, was du eigentlich gerne hättest und was dein Körper unbedingt braucht. Mit den Sätzen, die du dir innerlich sagst, wenn du etwas nicht hinbekommst – Sätze, die du keiner anderen Frau jemals an den Kopf werfen würdest. Es sind Sätze wie wie „reiß dich zusammen“, „du bist zu langsam“, „andere schaffen das auch“, „du bist einfach nicht gut genug“.
Das ist nicht ein einzelner großer Verrat an dir. Das ist eine Sammlung kleiner Verräte, jeden Tag, oft mehrmals am Tag und das oft jahrelang. Und irgendwann stehst du vor dem Spiegel und schaust eine Frau an, die du nicht mehr wiedererkennst. Die du auch nicht mehr richtig liebst, weil ihr euch im Alltag voneinander entfermt und entfremdet habt.
Das, was ich Selbstliebe nenn, ist nichts anderes als die Rückkehr in eine echte Beziehung zu dir selbst. Nicht weniger, nicht mehr.
"Du hast dich nicht aufgegeben. Du hast nur jahrelang Sätze zu dir gesagt, die du keiner anderen Frau jemals sagen würdest. Es ist Zeit, damit aufzuhören."
Das möchte ich dir an dieser Stelle einmal klar sagen. Selbstliebe heilt nicht alles. Sie macht dich nicht zur super entspannten Mama, die nie wieder überreizt oder gestresst ist. Sie macht dich nicht plätzlich frei von Schuldgefühlen oder von den Tagen, an denen du dich blöd fühlst.
Aber sie verändert die Tonart, in der dein Leben spielt. Sie macht aus einem Tag, der dich verschlingt, einen Tag, in dem du dich mit nimmst und bei dir bist. Sie gibt dir das Gefuehl zurück, dass du eine Person bist und nicht nur eine funktionierende Hülle. Sie lässt dich abends mit dem Gedanken einschlafen, dass du zwar nicht alles geschafft hast, aber dass das schon okay ist, weil du selbst auch wichtig warst.
Und über Wochen und Monate hinweg verändert sie etwas Tieferes: Du hörst auf, dich gegen dich selbst zu stellen. Du hörst auf, mit dir zu kämpfen, dich anzutreiben, dich ständig zu bewerten und in Schuld und Scham, zu verlieren. Du wirst dein eigenes Zuhause. Und es gibt nichts, was eine Mama mehr braucht als das.
Echte, ganzheitliche Selbstliebe als Mama berührt jeden Bereich deines Lebens. Sie liegt nicht in einem einzelnen Punkt, sie liegt in einem Geflecht. Ich möchte dir sieben Bereiche zeigen, an denen ich am häufigsten arbeite – mit mir selbst und mit den Mamas, die ich begleite.
Heute geht es um den Überblick. In den nächsten Wochen tauchen wir in jeden dieser Bereiche tiefer ein, ein Artikel pro Thema, ohne Eile, ohne Überforderung. Du musst nicht alles auf einmal ändern. Du darfst dich Stück für Stück zurückholen.
Selbstliebe fängt auf dem Teller an. Nicht im Sinne von „gesunde Ernährung“ als Disziplin, nicht im Sinne von „ich darf das nicht“. Sondern im Sinne der ehrlichen Frage: Behandle ich meinen Körper beim Essen so, als wäre er mir wirklich wichtig?
Isst du im Stehen, weil es schnell gehen muss? Isst du die Reste deiner Kinder, weil du selbst nichts vorbereitet hast? Trinkst du den ganzen Tag Kaffee statt Wasser? Greifst du am Nachmittag zur Schoki, weil du seit dem Frühstück nichts Richtiges gegessen hast? Das alles sind keine Charakterfehler. Das sind Hinweise darauf, dass du dich selbst gerade nicht in deine Liste hineinschreibst. (Die To-Do-Liste wird sowieso nie enden. von diesem Gedanken dürfen wir uns auf diesem Weg eh verabschieden.)
Eine einzige bewusste Mahlzeit am Tag, bei der du sitzt, schmeckst, atmest – das ist mehr Selbstliebe als jeder Wellnesstag. Mehr dazu im nächsten Artikel der Reihe.
Du sprichst mit deinem Körper, jeden Tag. Nicht nur, wenn du dich im Spiegel anschaust. Auch wenn du dich in deine Kleidung zwingst und denkst, „umph“. Wenn du beim Sport denkst, du müsstest dich noch mehr quälen. Wenn du vor lauter Stress Bauchschmerzen hast und dich fragst, was du falsch gemacht hast, anstatt zu fragen, was dein Körper dir sagen will.
Selbstliebe heißt nicht, plötzlich alles großartig zu finden. Es heißt, mit deinem Körper zu sprechen wie mit einer Freundin, die durch eine schwere Zeit geht. Mit Geduld. Mit Mitgefühl. Mit Anerkennung dafür, was sie gerade leistet.
Dieser Bereich klingt klein, aber er ist die Wurzel von vielem. Wer den Ton zu sich ändert, verändert mit der Zeit das ganze Innenklima. Auch dazu kommt ein eigener tiefer Artikel.
Pausen sind kein Luxus, den du dir verdienen musst. Pausen sind die Voraussetzung dafür, dass du überhaupt etwas leisten kannst, das nicht aus Erschöpfung kommt. Dein Nervensystem braucht sie. Dein Körper braucht sie.
Aber als Mama hast du oft genau das verlernt: zu pausieren, ohne dich zu rechtfertigen. Du sitzt fünf Minuten still und denkst sofort an alles, was du jetzt tun könntest. Du legst dich auf die Couch und greifst sofort zum Handy. Du räumst auf, während du eine Tasse Tee trinkst, weil pure Pause sich falsch anfühlt.
Selbstliebe ist, sich Pausen zu erlauben – ohne sie zu verdienen. Mit ihnen zu leben, statt immer um sie zu kämpfen. Auch das Thema bekommt einen eigenen Artikel.
Bewegung ist für viele Mamas zu einem Optimierungsthema geworden. Wieviel Kalorien verbrenne ich. Wieviel Schritte bin ich heute gegangen. Wann werde ich endlich wieder so aussehen wie vorher. Diese Logik macht aus deinem Körper ein Projekt.
Selbstliebe in der Bewegung sieht anders aus. Sie fragt nicht, was du loswerden willst. Sie fragt, was sich gut anfühlt. Sie nimmt einen langen Spaziergang als Therapie ernst. Sie nimmt drei Minuten Tanzen in der Küche genauso ernst wie eine Stunde Yoga. Sie versteht Bewegung als Sprache zwischen dir und deinem Körper, nicht als Diät unter anderem Namen.
Wer aufhört, seinen Körper zu optimieren, fängt an, ihn zu bewohnen. Mehr dazu im Artikel zum Thema.
Selbstliebe nach innen kann nicht wachsen, wenn du nach außen keine Grenzen hast. Wenn du jeden Wunsch, jede Forderung, jedes Bedürfnis von anderen vor deine eigenen stellst, dann lehrst du dich selbst, dass du nicht zählst. Diese Lektion lernst du mit der Zeit ziemlich gut, stimmt´s?
Grenzen zu setzen ist nicht egoistisch. Es ist ein Liebesbeweis. Auch deinen Kindern gegenüber, auch deinem Partner gegenüber, auch deinen (Schwieger-)Eltern gegenüber. Eine Mama, die immer alles gibt, ohne sich selbst zu wählen, gibt am Ende auch ihren Kindern weniger – weil sie ihnen nur das von sich geben kann, was von ihr übrig ist.
Grenzen sind keine Mauern. Sie sind Türen mit einem festen, stabilen Schloss. Ein Liebesbeweis für dich und für alle, mit denen du lebst. Hierzu fondest du auch ganz bald einen eigenen Artikel auf meinem Blog.
Schuldgefühle als Mama sind so verbreitet, dass wir sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Sie sind das Hintergrundrauschen vieler Mama-Tage. Du fühlst dich schuldig, wenn du arbeitest. Du fühlst dich schuldig, wenn du nicht arbeitest. Du fühlst dich schuldig, wenn du laut wirst. Du fühlst dich schuldig, wenn du nicht präsent genug warst. Es ist ermüdend. Und im Außen wird dir sowiesio jeden Tag gezeigt, dass du es sowieso nur falsch machen kannst.
Selbstliebe heißt nicht, Schuldgefühle zu unterdrücken oder wegzuschicken. Sie bedeutet, sie zu lesen. Schuldgefühle sind oft ein Brief deiner Werte an dich – ein Hinweis darauf, was dir wichtig ist. Wenn du sie liest, statt zu unterdrücken, geben sie dir eine Richtung. Aber dafür musst du aufhören, sie als Anklage zu nehmen, und anfangen, sie als Botschaft anzunehmen.
Der Umgang mit Schuldgefühlen wird einer der wichtigsten Artikel der Reihe, weil er den Schmerz berührt, den fast jede Mama in sich trägt.
Hier landen wir am Ende der Reihe – weil dieser Bereich der tiefste ist, aber auch der schönste. Selbstliebe als Mama ist letztlich Identitätsarbeit. Sie ist die Rückkehr zu dir selbst, nachdem du dich jahrelang verbogen und verloren. Sie ist das Wiederfinden deiner Stimme, deiner Werte, deiner Wünsche, deiner Vorstellung davon, wer du bist und wer du sein willst.
Diese Arbeit braucht Geduld. Sie braucht Stille. Sie braucht das Recht, Fragen zu stellen, ohne sofort Antworten zu haben. Sie ist die langfristige Konsequenz aus all den anderen Bereichen – wer sich gut ernährt, wer Pausen macht, wer Grenzen setzt, wer mit sich freundlich spricht, der findet irgendwann zurück zu dem, was er eigentlich denkt, fühlt, will. Die Stimme kommt zurück, wenn man ihr Raum gibt. du hörst sie aktuell noch nicht? Sei sanft mit dir. Darüber liegt gerade noch so viel Anderes.
Der letzte Artikel der Reihe ist diesem Wiederfinden gewidmet. Und er wird, das verspreche ich, keiner sein, den du nur einmal liest.
Du musst nicht alle 7 Bereiche von heut auf morgen angehen und verändern. Du darfst eine Tür wählen und durch sie hindurchgehen. Der Rest folgt Schritt für Schritt.
Ich möchte dich jetzt noch einmal in den Moment zum Anfang zurückholen. Du stehst vor dem Spiegel, mit dem Blick, mit dem du dich selbst betrachtest.
Was wäre, wenn du morgen früh für einen kleinen Moment länger vor dem Spiegel stehen bleibst? Wenn du der Frau im Spiegel kurz in die Augen schaust und leise sagst: „Hey, schön, dass du da bist. Ich werde heute an dich denken und dich nicht wieder vergessen.“
Dasd fühlt sich beim ersten Mal vielleicht unangenehm oder sogar peinlich an. Vielleicht bist du aber auch positiv überrascht und es zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht. Vielleicht lächelt dich die Frau im Spiegel wirklich an oder sie hat Tränen in den Augen, weil sie diese Sätze schon so lange nicht mehr von dir gehört hat.
Was auch immer passiert. Du machst einen Anfang. Und Anfänge sind das Wichtigste, was es bei der Selbstliebe gibt. Du musst nicht heute schon alles wissen. Du musst heute auch nicht alles richtig machen. Du darfst aber aufhören, dich selbst zu übersehen. Ein kleiner Moment reicht. Beginne mit ein paar Sekunden.
Diese Blogartikel-Reihe hat sieben weitere Teile. In den nächsten Tagen erscheint jeweils ein Artikel zu einem der Bereiche, die ich heute angerissen habe. Du musst die Reihe nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen – du darfst dort einsteigen, wo es dich gerade abholt.
Was alle Artikel verbindet, ist eine Haltung: dass du als Mama nicht weniger Liebe verdienst, weil du Mama geworden bist, sondern mehr.
Dass deine Beduerfnisse nicht erst dann zählen, wenn alle anderen versorgt sind, sondern dazwischen oder sogar zuerst. Dass deine Versorgung nicht ein Bonus ist, den du dir verdienen musst, sondern eine Voraussetzung dafür, dass dein Mamasein, nicht nur funktioniert, sondern wirklich Freude macht.
Falls dich dieser Artikel berührt hat und du das Gefühl hast, dass du gerade jemanden an deiner Seite brauchst. Und zwar nicht ausschließlich im Blog oder Newsletter, sondern persönlich. Jemanden, der mit dir gemeinsam und strukturiert anschaut, was bei dir los ist – wo dein Körper, dein Nervensystem, deine Identität und deine Beziehung zu dir Selbst gerade Unterstützung brauchen – dann ist meine 1:1 Begleitung vielleicht etwas für dich.
Adina
Ich begleite Mamas ganzheitlich aus der Erschöpfung – mit Herz, Wissen und einem klaren Blick auf das, was wirklich hilft.
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